Die Welt des Lesens: Buchläden in Beirut, Damaskus und Jerusalem
Buchläden sind heute mehr denn je Umschlagplatz für Politik, Kunst, Jugendkultur, Meinungsaustausch und mehr. Niveauvolle Souvenirs und Symbole für Beirutfans und Nostalgiker des alten Beirut zur Zeit vor dem Bürgerkrieg vor beinahe 30 Jahren finden sich neben politischen Comics und mehrsprachigen Magazinen. Das libanesische Sprachengemisch aus Arabisch, Englisch und Französisch der Straßen, liegt auch in den unverstaubten Bücherregalen, drei Sprachen finden sich in fast allen Buchgeschäften der Stadt in Buch- und Magazinform. Wer nach Beirut kommt, darf jene kleinen Buchhandlungen nicht missen und sich mit Politischem und Romanen von bekannten arabischen Autoren eindecken: Nirgendwo so eine Auswahl an arabischen Autoren (auch übersetzte Exemplare) wie in der libanesischen Hauptstadt. Die Buchpreise sind meist fair bis verhandelbar. Bücherkauf in Beirut wird zum inspirierenden Wissensausgang einer Nahost- oder Libanonreise. Damaszener Buchwelten – Kutub al Shamiyye
In Damaskus finden sich die meisten Buchläden um den alten Hijaz Bahnhof, die damalige Durchlaufstelle für die Bagdadbahn, den Orientexpress. Die historisch spannende Gegend nahe des Suq Hamidiyye ist bekannt für seine Dichte an Buchläden, die bis in den letzten Winkel gefüllt sind mit Philosophie, Lyrik, wissenschaftlicher und religiöser Lektüre. Auch in der Nähe des berühmten Sham Palace Hotel finden sich Buchläden mit mehrsprachigen Büchern. Bekannte Dichter wie der vor kurzem verstorbene Mahmoud Derwisch liegen neben neuen, syrischen Autoren und anderen arabischen Literaten. Für Sprachstudenten gibt es zwischen Bücherstapeln und höflichen Fragen der Buchhändler auch halb Englische, halb Arabische Bücher als unumgängliche Unterstützung zur Sprachaneignung. So groß wie in Beirut ist die Auswahl an übersetzten und vor allem politischen Büchern zwar nicht, doch gerade in den letzten Monaten hat sich viel verändert: Immer neue Buchläden mit nur englischem Sortiment eröffnen und werden von der Regierung toleriert.

Jerusalem und die Politik der Seiten
In Jerusalem gibt es sowohl im Osten - also im vorwiegend palästinensischen Teil - als auch im Westen eine Vielzahl ausgezeichneter Buchläden mit Büchern in Arabisch, Hebräisch, Englisch und Französisch - oder sogar gemischt. Klassische Autoren und Nachwuchstalente - ein brodelndes Angebot an politischen Schriften und Lektüren liegen neben Kinderbüchern und Postkarten. Für die größte Auswahl an Nahostpolitik vom Palästinakonflikt bis hin zu anderen Regionen des Nahen Ostens, sollte Jerusalem als Buchstandort bevorzugt werden. Skurril und informativ, propagandistisch und intellektuell liegen Inhalte nebeneinander, jedes ein Stück anders - interpretative Weltsicht bietend, ein Mekka für Politikinteressierte, die über Basisliteratur zum Nahostkonflikt hinaus wollen.
Ob im schillernden Beirut, in den historischen Gassen von Damaskus oder zwischen den Olivenbäumen Ostjerusalems: Bücherkauf beim Bereisen der drei Länder ist jedem empfohlen. Trotz teilweiser Zensur, die in den letzten Jahren ohnehin gelockert wurde, findet sich für jedes Alter und jeden Geschmack Spannendes: Denn Bücher sind erst der Anfang.
Autor: Mag. Eva Pilipp | 14.02.2010 16:04
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